Tungu-Tungu

Das Volk der Tungusén ist nicht wie die übrigen Völker sesshaft, sondern zieht in großen Hausbooten den Endlosen Fluss hinauf und hinunter und treibt vor allem Handel.

Außerdem sind die Tungusén herausragende Fischer und Bootsbauer. Tungusén-Bootsbaumeister kaufen die besten Hölzer der Welt und bauen daraus auf ihren Dockschiffen erstklassige Segel- und Ruderboote, die sie zu stattlichen Preisen verkaufen. Tungusén-Meister können sogar Boote fertigen, die auf ein gesprochenes Wort von alleine überall hin fahren und man sagt, sie wären wohl auch fähig, fliegende Boote zu bauen – wenngleich noch niemand je eines gesehen hat.

Tungusén sind der vorherrschenden Oljipuni-Kultur am wenigsten verbunden. Für einen Tugusén-Mann (Tungu) ist prinzipiell alles handelbar und verkäuflich, inklusive seiner Familienmitglieder und anderer rechtmäßig erworbener Menschen. Über seine Frauen, Töchter, minderjährigen Söhne und seine Sklaven hat ein Tungu absolute Gewalt und kein anderer Tungu wird ihm in seine Angelegenheiten hineinreden, was zuweilen bei angelandeten Tungusén zu Problemen mit der Gerichtsbarkeit führt, wenn lokale Gesetze Sklaverei verbieten oder Mindeststandards für die Behandlung setzen.

Religion: Der Verschlingende Fluss und der Glitzernde Fluss

Darüber hinaus gibt es eine unter Tungusén einflussreiche Sekte, den “Verschlingenden Fluss”, welche die sonst übliche Meinung ablehnt, zwischen den Göttlichen Geschwistern Amalay und Okun herrsche ein beiderseitig gewünschtes Gleichgewicht und jeder erkenne die Schönheit des anderen: Während die meisten Prediger betonen, dass sich die Göttlichen Geschwister bewusst sind, dass keiner ohne den anderen existieren kann, sieht der „Verschlingende Fluss“ die Dualität eher als permanenten Kampf, bei dem jedes Lebewesen Partei ergreifen muss – und die Anhänger des „Dunklen Flusses“ sind klare Anhänger von Okun, dem Gott der Zerstörung, des Verfalls und des Chaos.

Die “Kinder des Verschlingenden Flusses” sind diejenigen Tungusén, welche die ganze Rasse als Menschenjäger, Räuber und Diebe in Verruf bringen und dafür sorgen, dass bei einer nahenden Tungusén-Flottille immer erst einmal Waffen bereitgelegt und Frauen und Kinder von den Straßen geholt werden. Was viele nicht zugeben wollen ist: Ohne diese Menschenräuber gäbe es viel weniger Sklaven in den Ländern, in denen nur Verbrecher versklavt werden dürfen, der Besitz von bereits versklavten Menschen aber rechtmäßig ist – über die Flussleute kommt man an geraubte und bereits gefügig gemachte Imisén, Arrodo, Cetosi und Ologapuisa, samt gefälschter Besitzurkunde.

Was die Tungusén vor einer pauschalen Verunglimpfung und Verfolgung rettet, sind die Anhänger des “Glitzernden Flusses” – der Gegensekte im Amalay/Okun-Kult der Tungusén. Die Verehrer des Gottes der Schöpfung, des Gedeihens und der Ordnung behandeln ihre Mitwesen gut und rauben keine Menschen; sie gelten als gute und ehrliche Händler und die meiste internationale Kommunikation läuft über Briefe und Pakete, die von “guten” Tungusén befördert werden, bei denen man sich darauf verlassen kann, dass das Wort eines “braven Tungusén-Händlers” gilt.

Was Nicht-Tungusén nicht verstehen, ist das fundamentale Einheitsgefühl aller Tungusén: Beide Kulte sehen sich als Teil des ewigen göttlichen Kampfes, beide empfinden das eine und das andere Lager als notwendig und beide verurteilen einander nicht für ihr Tun: Aus Tungusén-Sicht gibt es dabei kein „gut“ oder „böse“, sondern lediglich das Streben der Tungusén, im Kleinen mitzuwirken, den Kampf der Göttlichen Geschwister auf der Kippe zu halten, damit es ein Morgen gibt.
Daher sind die allermeisten “Kinder des Verschlingenden Flusses” keine blindwütigen Mordkultisten – sondern sie entfernen mit Bedacht Dinge aus der Welt, die ihre Zeit überdauert haben und zerstören ritualisiert kleine Opfergaben. Genauso schützen die “Kinder des Glitzernden Flusses” das Leben oder Gegenstände nicht um jeden Preis, sondern bedenken, was geopfert werden muss, damit die Welt im Gleichgewicht bleibt: Ihre Rituale drehen sich oft um die Pflege von Topfpflanzen, Bonsai-Bäumchen oder Singvögeln.

Zuletzt geändert am 24.01.2016 17:48 Uhr