Die Göttlichen Geschwister: Okun

Von den beiden “Göttlichen Geschwistern” ist Okun das Prinzip des Verfalls, der Zerstörung und des Vergehens: Okun ist der Vernichtergott und damit direktes Gegenteil seines Bruders/seiner Schwester Amalay.

Wahrnehmbare Verkörperungen von Okun (seine Avatare) nehmen oft die Form eines sehr alten Mannes oder einer sehr alten Frau eines beliebigen Volkes an, die mit dem Geruch des nahenden Todes behaftet ist. Seine oder ihre abgetragene Kleidung ist löchrig und riecht muffig, der Gehstock ist von Holzwürmern angefressen.

Was Okuns Hand berührt, beginnt oft rasend schnell zu altern und zu zerfallen und man fühlt sich bereits alt, wenn nur Okuns Blick auf einem ruht.

Okun erscheint jedoch auch in Gestalt von Insektenschwärmen, besonders Fliegen, oder macht sich einfach nur durch einen fauligen Geruch bemerkbar.

Okuns Wirken ist jedoch notwendig, damit das Leben nicht überbordet. Ohne Okun würden Pflanzen alles überwuchern, alternde und verletzte Tiere nicht sterben, selbst Stoffwechselprozesse oder das Entstehen fruchtbarer Erde wären unmöglich: Damit etwas Neues entstehen kann, müssen alte Strukturen aufgebrochen werden.

Die Berührten Okuns

Die Berührten sind Mitglieder der Völker, die aus irgendwelchen Gründen die Aufmerksamkeit der Göttlichen Geschwistern auf sich gezogen haben und die von ihnen mit besonderen Gaben bedacht wurden, sei es mit der Fähigkeit, Taivas (Leitmagie) zu wirken, sei es mit einzigartigen Mächten.

Die Berührten Okuns sind fast immer mit einem Makel geschlagen, bevor Okun zu ihnen spricht: Gezeichnet von hohem Alter, verkrüppelt oder an Krankheiten leidend. Vielleicht schlägt Okun sie aber auch mit den Zeichen des Verfalls, um dann zu ihnen zu sprechen. Sie erhalten von ihm zuerst die Kraft, trotz ihrer Schwäche ihre Aufgaben zu verrichten und obwohl sie oft aussehen, als würden sie jeden Moment verscheiden, erreichen die meisten von ihnen ein recht hohes Alter. Trotz allem sehen die Berührten ihre Makel als Opfergabe an Okun.

Berührte Okuns kümmern sich um Bestattungriten und Grabpflege und sind in den meisten Kulturen der Pylae die einzigen, die aktive Sterbehilfe leisten dürfen. In einigen Gebieten dürfen die Diener des Dunklen Bruders sogar jede beliebige Person töten und man wird annehmen, dass ihre Zeit in den Augen des Gottes gekommen war. An Okun geweihten Stätten bringen sie ihre Blutopfer dar: Es hängt von der umgebenden Kultur ab, ob als Opfergaben eine kleine Menge ihres eigenen Blutes, Tiere (meist Aasfresser wie Geier oder Hyänen), freiwillige oder sogar unfreiwillige Dritte üblich sind.

Die Gaben von Berührten Okuns manifestieren sich in den meisten Fällen in der Form von tödlichen und zerstörerischen Kräften und nur selten in der Macht, Zerstörung und Tod Einhalt zu gebieten oder diese Vorgänge zu verzögern oder auf ein anderes Ziel zu verschieben. Beispielsweise können die meisten Diener des Herrn des Zerfalls jede Person mit dem Leiden schlagen, dass sie selbst plagt — nur ohne die Macht, die sie selbst am Leben erhält.

Nach dem Prinzip “Ein Leben für ein Leben” kann man sich in diesen Tempeln Okun als Opfer anbieten, in der Hoffnung, dass Okun einen anderen (meist schwer kranke Verwandte) verschonen wird. Dieser Tauschhandel funktioniert nicht immer - aber er funktioniert ausschließlich dann, wenn das Opfer sich aus eigenem Antrieb und freiwillig anbietet. Im Gegensatz zu den meist stillen regulären Opferzeremonien werden diese Selbstopfer von den Berührten Okuns in der Umgebung angekündigt und mit möglichst vielen Zeugen unter Einnahme von Rauschmitteln, Tänzen und Gesängen ausgiebig gefeiert.
Selbstopferungen sind besonders bei Imisén oder Arrodo verbreitet, Cetosi und Taipuisa sind viel eher gewillt, dem Schicksal und dem Kreislauf des Lebens zu vertrauen.

Zuletzt geändert am 29.01.2016 08:54 Uhr