Leymagie: Tilalinien anzapfen

Die Tila (Essenzmagie) basiert, wie dort beschrieben, auf dem alles durchdringenden kosmisch-magischen Energiefeld, das sich teils in Strömen und Knoten verdichtet und das ebenfalls Tila genannt wird.

Die Experten des Konvents des Endlosen Flusses (K∞F) glauben, dass die Tila-Linien (wegen ihrer Entdeckerin, Hohezaubererin Porla Ley, auch Ley-Linien genannt) die zweigöttlichen Energien von Entstehen und Vergehen in der Welt verteilen und ausgleichen, so dass sie maßgeblich daran beteiligt sind, dass die Welt als Ganzes bestehen bleibt und nirgendwo Bereiche alles-überwuchernden Lebens oder absolute Todeszonen entstehen. Außerdem halten sie die Welt in ihrem Innersten zusammen - ohne das Tila-Feld, so die geläufige Theorie, würde alle Materie augenblicklich in eine unzusammenhängende Wolke von winzigen Staubpartikeln zerfallen.

Diese Erkenntnis hindert die Magier natürlich nicht daran, sich “nur ein wenig” an den gewaltigen Energien zu bedienen, die in den Tilalinien oder gar in Tilaknoten fließen! Die magischen Verteidigungsmöglichkeiten, aber auch viele aktuelle Projekte der öffentlichen Versorgung benötigen zwingend eine andauernde Versorgung mit Tila-Energie - und wer würde schon wollen, dass diese durch regelmäßige Blutopfer bereitgestellt würde? Über diese barbarischen alten Praktiken sind wir nun doch längst hinaus!

Die Großmeister der Verwendung von Tilalinien, das untergegangene Volk der Xuktcha, haben leider die meisten Geheimnisse mit in ihre düsteren Untergrundstädte genommen und viele davon sind mit ihnen gestorben. Dennoch entdecken die K∞F-Magier immer wieder Hinweise in versunkenen Xuktcha-Städten, wie die Tila noch genutzt werden kann. Daher ist die Erforschung der Xuktcha eine der Top-Prioritäten des Konvents. Auf der anderen Seite weiß man, dass diese Forschungen oft gefährlich sind, weil die unterirdischen Städte der Xuktcha oft immer noch von ihren magischen, tila-getriebenen Konstrukten und Maschinen bevölkert sind… also schickt man besser zuerst Söldner oder ein paar Sucher hinab.

Fünf Klassen von Tilalinien

Tilalinien und -knoten werden von Konventsmagiern in fünf Klassen unterteilt:

  1. Klasse (I) — Lokale Adern erstrecken sich selten über mehr als 3 Meilen und gleichen minimale Unterschiede im lokalen Tila-Feld aus - oft führen sie von Wäldchen oder Bachläufen zu Friedhöfen, trockenen Steinfeldern oder dergleichen. Auch ein bedeutsamer Mordschauplatz kann eine lokale Ader hervorrufen, um den Ort von der düsteren Assoziation zu “heilen”.
  2. Klasse (II) — Lokale Flüsse erhalten Energie aus mehreren lokalen Adern oder verbinden bedeutsamere Orte wie z.B. Schlachtfelder oder auffällige Landschaftsmerkmale miteinander, oft über Distanzen bis zu 12 Meilen.
  3. Klasse (III) — Regionale Flüsse fassen mehrere lokale Flüsse zusammen auf Strecken bis zu 100 Meilen zusammen. Hierunter fallen auch Geringere Knoten, bei denen 2–4 lokale Flüsse sich kreuzen.
  4. Klasse (IV) — Nationale Ströme fassen mindestens zwei regionale Flüsse zusammen und erstrecken sich über mindestens 100 Meilen. Hierunter fallen auch Höhere Knoten, bei denen 2–4 regionale Flüsse oder mehr als 4 lokale Flüsse sich kreuzen.
  5. Klasse (V) — Internationale Ströme sind über tausende Meilen reichende “Adern der Welt” und Meisterknoten mit 2 oder mehr Klasse IV-Strömen oder mindestens 7 Klasse III-Flüssen. In den Pylae ist dem Konvent bisher nur ein einziger Klasse V-Strom bekannt: Der “Endlose Fluss”.

Tilalinien nutzen

Um Leylinien und -knoten in ihrer Umgebung zu entdecken, können Magier auf IQ + Magiebegabung - Entfernungsmodifikatoren + 3×Klasse der Energiequelle würfeln. Für alle größeren Tilalinien existieren darüber hinaus Tila-Karten, auf denen vor allem die Magier des K∞F den aktuellen Fluss der Essenz durch die Welt verzeichnen. Da die Tila ständig im Wandel ist, werden regelmäßig Magier oder geeignete Sucher zum Kartieren und Vermessen ausgesandt - auch, um zu kontrollieren, dass niemand sonst sich an dieser wertvollen Energiequelle bedient.

Das mentale Berühren, also der aktive Zugriff auf eine Leylinie, kann jedoch gefährlich sein: Der Zaubernde muss einen Wurf auf Will - (4×Klasse) bestehen oder er wird für 2W6–1 (Klasse I: Sekunden | II: Minuten | III: ×10 Minuten | IV: Stunden | V: Tage) unfähig, Magie zu wirken. Bei einem kritischen Fehler erhält der Magier zusätzlich (1W6–1)×(Klasse) burn Schadenspunkte (Rüstung zählt nicht, der Vorteil Magic Resistance verringert den Schaden um 1 Punkt pro Level).
Ein schützendes Monokel oder eine Brille aus speziell geschliffenem, verzaubertem Kristall (8000$, neg. Wt.) senkt den Malus um 1 Klasse (d.h. er verringert den Malus um 4 Punkte). Der Zauber Strenghten Will (Mind Control; M 136) oder das Elixir of Willfulness (Trank od. Pulver, Alchemy/Herb Lore −2, Kosten $1500 (Zutaten)/$2400 (Trank), Rezept $600, Brauzeit 5 Stunden) können Zauberwirkern helfen, sicherer auf Tilalinien zuzugreifen.

Falls mehrere konkurrierende Magier in einem Abstand unter (Kl. I: 200m | II: 800m | III: 1,6km | IV: 4,8km | V: 16km) Metern (vgl. Long-Distance Modifiers, M 14) gleichzeitig auf dieselbe Tilaquelle zugreifen wollen, müssen sie nach dem erfolgreichen “Berühren” einen Wettstreit der Thaumatology + Threshold Magery ausführen: Der Gewinner erhält die volle Energieausbeute, die Verlierer erhalten nur 1/10 der Kraft (abrunden auf volle Energiepunkte).
Ritualmagie (Ceremonial Magic): Wenn ein Zirkel von zusammenarbeitenden Magiern (siehe M 12) beim zeremoniellen Zaubern im Ritual auf eine Tilalinie zugreift — das heißt, 1 “Ritualleiter” mit 1+ “Assistenten” und bis zu ungelernten 100 “Zuschauern” —, können alle Assistenten mit Threshold Magery gemeinsam mit dem Ritualleiter auf die Tilalinie zugreifen. Jeder, der dies tut, muss den Willenswurf für das “Berühren” schaffen, aber alle erhalten einen Bonus auf Will von +1 pro magisch begabtem Assistent.
Wenn der Ritualleiter den Willenswurf nicht schafft, endet das Ritual sofort; ein kritischer Fehler gilt wie ein Zauberpatzer. Assistenten, die den Willenswurf nicht schaffen, beenden zwar das Ritual nicht, dürfen aber keine eigene Energie beitragen und geben durch Energieschwankungen dem Ritualleiter kumulativ −1 auf den Zauberwurf.
Anwesende “Saboteure”, die sich mit ihrem Willen gegen das Gelingen des Rituals stemmen, geben allen Beteiligten nicht nur einen Zaubermalus von −5 auf den Zauberwurf wie im Magiebuch beschrieben, sondern auch einen Malus auf diesen Willenswurf von −1/Störer (bis zu einem Maximum von −20).

Sobald eine Tilalinie oder ein Tilaknoten ohne Energierückschlag “berührt” (s.o.) wurde, stellt sie für jeden Zauber bzw. für jedes Ritual folgende Energiemengen zur Verfügung, die nicht zum Energieniveau (Tally) des Magiers hinzugerechnet werden, und zwar solange die Verbindung nicht unterbrochen wird (vgl. Concentration and Maintenance, M 10):

  1. (I) 1W6–2 Mana für Zauber [0–4] oder (2W6–2)×4 für Zeremonielle Magie [0–40]
  2. (II) 2W6 Mana für Zauber [2–12] oder 4W6×5 für Zeremonielle Magie [20–120]
  3. (III) 6W6 Mana für Zauber [6–36], 3W6×20 für Zeremonielle Magie [60–360]
  4. (IV) (4W6–3)×5 Mana für Zauber [5–105], (3W6+2)×50 für Zeremonielle Magie [250–1000]
  5. (V) (5W6–4)×20 Mana für Zauber [20–520], (4W6+1)×100 für Zeremonielle Magie [500–2500]

Achtung: Zauberpatzer beim Benutzen von Leylinien verursachen zusätzlich zu den üblichen Effekten (siehe Patzertabelle) auch die oben unter “Berühren” genannten Schäden.

Zaubern entlang von Tilalinien

Zauber, die entlang von Tilalinien gewirkt werden, haben eine stark vergrößerte Reichweite:
1) Reguläre Zauber nutzen die Reichweitentabelle (Speed/Range Table) statt −1/m;
2) Geschoß- und andere Zauber, die normalerweise die Reichweitentabelle nutzen, verwenden stattdessen entlang von Linien die “Langreichweitentabelle/Long Distance Modifiers Table” (M14: −0 bis 200y, −1 bis 500y, −2 bis 1mi, −3 bis 3mi, −4 bis 10mi, −5 bis 30mi, etc.);
3) Zauber, die normalerweise die Langreichweitentabelle nutzen, haben die zehnfache Reichweite.

Hinweis: Wenn ein Magier über das weltumspannende Netzwerk von Leylinien auf ein entferntes Ziel zugreifen will, zählt in jedem Fall die höchste beteiligte Leylinienklasse für alle Würfe, Mali und Folgen. Nach wie vor muss ein Magier (außer bei Informationszaubern) in aller Regel sein Ziel wahrnehmen können, um Zauber darauf zu wirken. Dies kann auch mit über dieselbe(n) Leylinie(n) gewirkten Wahrnehmungszaubern wie Wizard Eye (M 104) oder Seeker (M 105) erreicht werden, sofern das Ziel nicht mit Zaubern wie Scryguard (M 121) Vorkehrungen trifft.

Beispiel: Ein Magier steht 3 Meter von einer lokalen Klasse II-Leylinie entfernt und will einen Geschosszauber auf eine Panzerechse abfeuern, die in 300 Meter Entfernung ebenfalls nur 3 Meter von derselben Leylinie entfernt steht. Die zu berücksichtigende Entfernung, sobald er mit dem Willenswurf auf die Linie zugegriffen hat, ist außerhalb der Leylinie laut Size and Speed/Range Table (B550) bei 3+3=6 m ein Modifikator von −3 und innerhalb der Leylinie für 300 m auf der Long Distance Modifiers Table nur −1: Er kann also sein Ziel mit −4 (für Entfernung) und +2 (für den Größenmodifikator der Panzerechse) treffen anstatt mit −14! Praktisch könnte er das Tier unter normalen Umständen gar nicht beschießen, weil z.B. ein Feuerball nur eine Reichweite von 50 m hat.

Zauber an Tilalinien wahrnehmen

Ein Zauberwirker, der eine Leylinie entdeckt hat (s.o.) kann mit einem Wurf auf
Per + Threshold Magery + Zauberkosten - Entfernungsmalus - 2×Tilalinien-Klasse
wahrnehmen, ob in seinem Wahrnehmungsbereich ein über die Leylinie gewirkter Zauber (s.o.) in die Linie ein- oder aus ihr austritt. Er nimmt diese Zauber ähnlich wahr wie die ringförmigen Wellen, die ein in einen fließenden Fluss geworfener Kiesel schlägt.

Als Bonus für die Zauberkosten sind die durch Fertigkeit reduzierten Basiskosten für das Wirken bzw. Aufrechterhalten des Zaubers anzusetzen (hohe Zauberfertigkeit mindert auch die Chance der Entdeckung). Der Entfernungsmalus wird aufgrund der Fernkampftabelle (“Speed/Range Table”) ermittelt.

Der Beobachter hat nach erfolgreicher Entdeckung Zauberdauer des fremden Zaubers Runden (min. 1 Runde) Zeit, Identify Spell oder einen anderen Informationszauber auf die Ein-/Austrittsstelle zu wirken, um festzustellen, welcher Zauber dort gerade ein-/ausgetreten ist. Zauber, die über eine Leylinie hinweg aufrechterhalten werden, sind während der gesamten Dauer der Aufrechterhaltung erkennbar!
Ein kritischer Erfolg auf den Perception-Wurf verrät weitere Informationen über den übertretenden Zauber (Schule, Typ des Zaubers, etc.).

Eine Leylinie über längere Zeit zu observieren, benötigt Konzentration und ist anstrengend: Alle 10 Minuten wird ein Wurf auf Will-5 gegen den Verlust von Tilalinien-Klasse FP fällig. Regelmäßige Beobachter erlernen, auf welche Details sie achten müssen und wie sich die Konzentration länger halten lässt und verwenden stattdessen den neuen Skill Ley Observation (Will/VH), mit dem sie - nach Per “geshiftet” - auch die Perception im Wahrnehmungswurf ersetzen können, falls Ley Observation besser ist als Attribut+0.

Falls der ankommende Zauber ein Angriffszauber ist, gilt er als Überraschungsangriff (keine Verteidigung möglich), es sei denn, der Beobachtende verfügt über den Vorteil Combat Reflexes. Dann kann er eine aktive Verteidigung oder einen Blocking-Zauber gegen den austretenden Zauber versuchen (ohne zu wissen, was genau dort kommt). Wenn er sich die Zeit nimmt, den Zauber erst zu analysieren, ist es für Verteidigungen oft zu spät…

Zuletzt geändert am 21.07.2020 15:29 Uhr